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Hormonelle Aknetherapie

Hormone und hormonelle Aknetherapie

Bei Frauen kann eine hormonell bedingte Akne mit Präparaten behandelt werden, die Sexualhormone enthalten. Die Sexualhormone steuern nämlich weit mehr als nur die Entwicklung und Funktion der Geschlechtsorgane: Sie beeinflussen zum Beispiel auch die Funktion der Talgdrüsen und die Verhornungsvorgänge der Haut.

Man unterscheidet Androgene, Östrogene und Gestagene.

Gestagene, auch Gelbkörperhormone genannt, sind weibliche Sexualhormone, die eigentlich der Vorbereitung und Erhaltung der Schwangerschaft dienen. Sie werden in den Eierstöcken, der Plazenta und den Nebennieren gebildet. Das wichtigste Gestagen ist das Progesteron. Ein synthetisches Gestagen, das als Abkömmling des Progesterons bezeichnet werden kann, ist Cyproteronacetat.

Bei der hormonellen Aknetherapie setzt man synthetische Gestagene ein, die verhindern können, dass die Androgene ihre unter Umständen Krankheitsverursachenden Wirkungen entfalten. So kann DHT (Dihydrotestosteron) Vorgänge im Hautgewebe auslösen, die neben der übermäßigen Produktion von Talg (Sebum) auch zu krankhaft verlaufenden Hornbildungsprozessen führt. Auch eine dunkle Pigmentierung von Körperhaaren – zum Beispiel über der Oberlippe, am Kinn oder im Bereich der Brust-, wird durch Testosteron verursacht, und es kann sogar zu Haarausfall im Bereich der Kopfhaut kommen. Nur bestimmte Gestagene können in den Zielgeweben die entsprechenden Andockstellen (Rezeptoren) für Testosteron blockieren. So können die Androgene nicht mehr wirken. Zu diesen antiandrogenen Gestagenen zählen Chlormadinonacetat, Dienogest und Cyproteronacetat.

 

Östrogene sind weibliche Sexualhormone und werden von den Ovarien (Eierstöcken) sowie in geringer Menge in der Nebennierenrinde produziert. Östrogene sind vor allem für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsmerkmale zuständig, werden aber in geringem Maß auch im männlichen Körper produziert. Östrogene, insbesondere das Estradiol, wirken prinzipiell hemmend auf die Testosteronproduktion und damit auch auf die Talgproduktion der Haut. Jedoch reicht das körpereigene Östrogen (auch bei der Frau) nicht immer aus.

Das synthetische Ethinylestradiol ist in diesem Zusammenhang wirksamer. Es wird verzögert in der Leber abgebaut und verbleibt so länger in der Blutbahn. In der Aknetherapie erreicht es positive Effekte, indem es das „freie“ Testosteron im Körper reduziert und das Sexualhormonbindende Globulin (SHBG) anhebt, das ist ein Eiweißmolekül, das Sexualhormone im Blut bindet.

Ethinylestradiol verringert in Kombination mit antiandrogen wirkenden Gestagenen die Produktion von Androgenen in den Eierstöcken, die Funktion der Ovarien wird gehemmt. Vor allem die Kombination eines Rezeptorblockergestagens mit Ethinylestradiol ergibt Synergieeffekte für die Aknetherapie. Größe und Anzahl der Talgdrüsen verringern sich, die Funktion der Haut normalisiert sich und die Akne heilt ab.

 

Androgene sind die männlichen Sexualhormone; sie werden auch im weiblichen Organismus produziert – natürlich in deutlich geringeren Mengen als beim Mann. Das Androgen Testosteron und die daraus gebildete Wirkform Dihydrotestosteron stimulieren Wachstum und Produktivität der Talgdrüsen. Eine übermäßige Talgproduktion bezeichnet man als Seborrhoe (abgeleitet von Sebum). Auch für eine ungünstige Reifung von Hornzellen im Ausführungsgang der Talgdrüsen kann das Testosteron verantwortlich gemacht werden. Dieses „zuviel“ an Verhornung kann zu Verstopfungen der Ausgänge führen, der Talg kann nicht mehr nach außen gelangen. Erste Folge sind so genannte Komedonen oder Mitesser, die sich zu Akne entwickeln können.

 

No Go für Männer

Bei Männern ist eine Aknetherapie mit weiblichen Sexualhormonen nicht möglich. Die weiblichen Hormone werden nämlich in einer Dosierung eingesetzt, die geeignet ist, die Testosteronspiegel so weit nach unten zu regulieren, dass positive Effekte für die Haut eintreten können, sie schaden aber dem männlichen Organismus und niedrige Testosteronspiegel sind bei Männern in den seltensten Fällen erwünscht.
Zu den Hormonen, die speziell für eine Aknetherapie eingesetzt werden können, gehören Cyproteronacetat und Ethinylestradiol. Die Kombination wirkt besonders gut gegen Akne, hormonell bedingten Haarausfall bei der Frau (androgenetische Alopezie) und leichtere Formen von Hirsutismus (männlicher Behaarungstyp bei der Frau).